Wilhelm Heinrich Solf

Politiker, Diplomat, Staatsmann
* 5. Oktober 1862 in Berlin
+ 6. Februar 1936 in Berlin

Wilhelm Solf war in den Jahren 1918/19 als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes unter Reichskanzler Prinz Max von Baden der letzte Außenminister des Deutschen Kaiserreichs und schließlich der erste Außenminister der Deutschen Republik. Bekannt wurde er auch als Deutscher Botschafter von 1920-28 in Tokyo, wo er es verstand, die kulturelle und politische Wiederannäherung an Japan entschieden zu fördern. Nach Aussagen des Jounalisten Klaus Mehnert war Solf „der Botschafter, der in Japan wohl am meisten verehrt wurde.“

Bereits während seines Studiums in Berlin, Kiel, Halle und Göttingen, befasste sich Solf mit Indologie und legte Examen in indischer Philologie, Sanskrit und Philosophie ab. Später erlernte er weitere asiatische Sprachen, wie Urdu und Persisch. Seine 1888 vorgelegte deutsche Übersetzung der englischsprachigen Sanskrit-Grammatik gehört noch immer zu den Standardwerken der Indologie.
Seine vorzüglichen Sprachkenntnisse führten 1888 zur Aufnahme in den Auswärtigen Dienst und er wurde mit Aufgaben am deutschen Generalkonsulat in Kalkutta beauftragt. Nachdem Solf in Göttingen seine juristischen Staatsexamen erfolgreich absolviert hatte, führten ihn weitere Aufgaben nach Deutsch-Ost-Afrika. 1899 ging er nach Samoa, wo er 1900 zum Gouverneur des neuen deutschen Schutzgebietes Samoa ernannt wurde. In über 10 Jahren politischer Verantwortung auf Samoa gelang es ihm nicht nur die zerstrittenen Einwohner zu befrieden, sondern er förderte auch entscheidend die Selbstverwaltung und verstand es im übrigen höchst erfolgreich seine Vorstellungen von einem „humanen Kolonialismus“ umzusetzen.

1911 wurde Solf als Staatssekretär an die Spitze des Reichskolonialamtes in Berlin berufen und unterstützte während des Ersten Weltkriegs entschieden die Politik von Reichskanzler Bethmann-Hollweg.
In der Zeit des nationalsozialistischen Regimes wurde das Haus von Wilhelm Solf zum Treffpunkt großbürgerlicher Oppositionskreise. Es gründete sich der sog. „Solf-Kreis“, der nach seinem Tod 1936 von seiner Frau Hanna und seiner Tochter Lagi fortgesetzt wurde. Sie bemühten sich, rassisch und politisch Verfolgten eine Flucht aus Deutschland zu ermöglichen oder sie vor der nationalsozialistischen Verfolgung zu verstecken. Die beiden Frauen entgingen nur knapp einem Prozess vor dem Volksgerichtshof und damit der drohenden Hinrichtung.
Zu Ehren von Wilhelm Solf wurde im Feld B des Invalidenfriedhofs ein Restitutionsstein errichtet.

Klaus-Henning von Krosigk

Grabnummer des Friedhofs und Lage: Feld B

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