WILHELM FERDINAND ERMELER

Tabakhändler und Kunstmäzen
6. Februar 1784 in Berlin; † 24. Juni 1866 in Berlin

„Wo kommt der beste Tabak her, merk auf, mein Freund, von Ermeler!“

Mit diesem Werbeslogan überzeugte Wilhelm Ferdinand Ermeler die Berliner von seinem „Qualitätskraut“, wie er seinen Tabak selber nannte. Bereits mit 24 Jahren und einem Anfangskapital von nur 100 Talern gründete er 1808 am Mühlendamm 12/13 in Berlin seine erste Tabakfabrik. Mit der „Cigarren-, Rauch- und Schnupftabakfabrik Ermeler“ wurde er zum bedeutendsten Tabakfabrikanten und Exporteur der Stadt.

Durch den Erfolg der Firma konnte Ermeler im Jahr 1824 den Kauf des Hauses in der Breiten Straße 11 samt Tabakfabrik und Tabakladen finanzieren. Das heute als Ermeler-Haus bekannte Gebäude wurde 1967-69 in der Breiten Straße abgetragen und in einer Baulücke Am Märkischen Ufer 10 wieder aufgebaut, wo es heute noch steht.
Ermeler kaufte das Haus in der Breiten Straße von seinem damaligen Konkurrenten, dem Tabakfabrikant Johann Heinrich Neumann. Neumann hatte den Bau 1804 erworben und dabei lediglich die vormalige Rokoko-Fassade im Stil des Klassizismus umgestalten lassen, die kostbar ausgestatten Rokoko-Innenräume aus den Jahren 1761/62 beließ er. Die klassizistische Fassade präsentierte sich nun mit zwei verkröpften Palmetten- und Rankenfriesen, einer Attikabalustrade und den darauf befindlichen Figuren Merkur – als Symbol des Handels – und Justitia – dem Symbol bürgerlichen Rechts. Als Ermeler den Bau von seinem Vorgänger übernahm, brachte er unter der Attikabalustrade am Mittelrisalit als Firmenzeichen sein Geschäftsmonogramm an und fügte über der Tür einen Relief ein, das Szenen aus der Welt des Tabakhandels darstellt. Das Innere des Gebäudes erhielt auch Ermeler im Wesentlichen in der überkommenden Rokoko-Substanz. Das heutige Fassadenbild des Ermeler-Hauses Am Märkischen Ufer entspricht den Umbauten der beiden Berliner Tabakfabrikanten. 1914 kaufte der Magistrat der Stadt den Bau und richtete hier bis 1932 eine Zweigstelle des Märkischen Museums ein. Die Zerstörungen des 2. Weltkrieges wurden 1952/53 beseitigt die historische Substanz restauriert. Aufgrund der städtebaulichen Erweiterung der Breiten Straße wurde das Ermeler-Haus 1967 abgetragen und 1968/69 in der Baulücke Am Märkischen Ufer wieder aufgebaut. Das neue alte Ermeler-Haus beherbergte nun ein exklusives Weinrestaurant, ein Café und eine rustikale Bierstube, die „Raaben-Diele“. Heute befinden sich Büros und ein Hotel in dem denkmalgeschützten Bau.

Der erfolgreiche Unternehmer und Mitbegründer der Berliner Tabakindustrie Wilhelm Ferdinand Ermeler war vielseitig gebildet und äußerst kulturinteressiert. Er veranstaltete Abendgesellschaften und machte sein Haus zum gesellschaftlichen Treffpunkt. Hier kamen Persönlichkeiten der Berliner Geschäftswelt und des Kulturlebens zusammen. Als ein weiterer Beleg für die Kunst- und Kulturliebe Ermelers gelten seine Briefe aus Italien, die er 1840/41 von dort schickte und später als Buch veröffentlichte.

Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Friedhof St. Petri-Luisenstadt in Berlin-Friedrichshain. In einer Nische an der Friedhofsmauer zur Friedenstraße hin sind zwei formgleiche Epitaphien aus Bronze für Wilhelm Ferdinand Ermeler und seine Frau, Henriette Wilhelmine Ermeler, geb. Becherer (1791-1852), eingelassen. Die original Inschrifttafeln sind heute in der Friedhofskapelle deponiert. Die Tafeln schließen nach oben rundbogig ab. Bekrönt werden sie durch Giebel mit verziertem Maßwerk, die auf Konsolen gesetzt sind. Über den Inschriften befindet sich je ein Medaillon, das einen geflügelten Genius zeigt in dessen Hand eine welke Blume liegt. Die unteren Gesimse der Bronzeplatten sind mit Akanthusblättern geschmückt. Gotische und antike Formsprache lassen eine harmonische Einheit entstehen.

Text und Fotos: Juliane Bluhm

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