Paul Isenberg

Zuckerfabrikant
* 15.4.1837
† 16.1.1903

Eine erneute Finanzierung durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien und mit Eigenmitteln der jeweiligen Friedhofsträger machten es der Stiftung als Projektträger möglich, die bestehende Friedhofs-App zu modernisieren und um weitere bedeutende Friedhöfe in Deutschland zu erweitern.

Daher werden für den Gedenktag des Monats nicht nur Berliner Grabstätten sondern auch Grabstätten auf anderen historischen Friedhöfen Deutschlands dargestellt, wie hier der Riensberger Friedhof in Bremen.

Der 1837 geborene Pastorensohn Paul Isenberg wollte der bildungsbürgerlichen Enge Niedersachsens entfliehen. Die Ausbildung zum Landwirt sollte ihm dazu die Startchance geben. Die Möglichkeit zur freien Entfaltung fand er auf den hawaiischen Inseln in der Zuckerwirtschaft. Dort führte er auf einer Farm den Anbau von Zuckerrohr ein und verband die Pflanzung mit einer Zuckerfabrik. Der Musterbetrieb warf reiche Erträge ab und hat den Inseln mit dem Zucker ihren größten Reichtum geschenkt. Auch holte er deutsche Einwanderer nach Hawaii, denen er eine deutsche Infrastruktur mit Kirche und Schule schuf.

Auf Hawaii hatte Isenberg Kontakte zu dem Bremer Kapitän und Kaufmann Hinrich Hackfeld geknüpft, der dort Zuckerplantagen besaß und 1849 eine Import-Export-Firma gegründet hatte. Isenberg wurde Teilhaber der Firma Hackfeld & Co und 1886 Geschäftsleiter des Bremer Weltunternehmens. Es betätigte sich in großem Umfang in der Vermittlung von Zuckergeschäften und betrieb eine Reederei mit einer Flotte von bis zu 20 großen Seglern.

In stetem Wechsel zwischen Honolulu und Bremen hatte Isenberg 1869 nach dem Tode seiner ersten Frau, der Missionarstochter Hannah „Maria“ Rice, in Bremen die neun Jahre jüngere Kaufmannstochter Wobetha Glade, genannt Beta, kennengelernt. Nach der Eheschließung folgte sie ihrem Mann nach Hawaii und zog neben den zwei Kindern aus der ersten Ehe ihres Mannes die sechs eigenen Kinder auf, die zwischen 1870 und 1883 geboren wurden.

Um ihren Kindern eine angemessene Schulbildung zu sichern, kehrte das Paar 1878 nach Deutschland zurück. In Bremen nahmen sie an der Contrescarpe, im heutigen Haus des Institut Français, ihren Wohnsitz. Stark in der evangelischen Kirche verankert, engagierte sich das Ehepaar aktiv für soziale Zwecke. Sie unterstützten den Bau der Zionskirche 1894 in der Neustadt und den Schwesternhaus-Anbau des Diakonissenhauses. Nach dem Tode ihres Mannes 1903 errichtete Beta Isenberg die „Paul-Isenberg-Stiftung“ mit einem Kapital von 100.000 Reichsmark zu Gunsten des Erziehungsheimes für Jungen, den Ellener Hof. Außerdem förderte sie Studenten und Künstler. Ein besonderes Anliegen wurde ihr die Arbeit für sogenannte „gefallene“ oder „gefährdete“ junge Mädchen. 1915 konnte sie ein Heim für 50 Mädchen und Frauen an der Kornstraße eröffnen, das spätere Isenberg-Heim. Sie überlebte ihren Mann um dreißig Jahre.

Die aus Marmor gearbeitete Grabanlage beherbergt zwei bedeutende Mäzene Bremens, den Zuckerfabrikanten Paul Isenberg und seine Frau Wobetha.

Das ädikulaartige Grabmal mit kräftigen bis auf das Postament reichenden toskanischen Säulen birgt unter dem Giebel in einer Nische eine neugotische Christusfigur mit erhobener Rechter im Redegestus, ein typisches Produkt des Historismus. Die Namenstafeln werden von Bibelzitaten eingerahmt.

Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg
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