MAX KRAUSE

* 17. März 1838 in Treuenbrietzen; † 16. Oktober 1913 in Berlin

Zum diesjährigen 100. Todestag des Berliner Papierindustriellen

Das Erbbegräbnis der Familie Max Krause auf dem Friedhof der Jerusalems- und Neuen Kirche IV in der Bergmannstraße gilt als Jugendstilhauptwerk der Berliner Grabmalskunst. Die aus hellem Muschelkalk gearbeitete Grabarchitektur entstand 1905/06 nach Plänen des Architekten Bruno Schmitz (1885-1916), der bereits in den 1890er Jahren mit seinem bedeutenden Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica und dem Kyffhäuserdenkmal Berühmtheit erlangte. Die Grabstätte wirkt besonders durch die vorgelagerte, dreiteilig angelegte Treppenanlage wuchtig und monumental. Während der eigentliche Grabbau nicht sehr tief ist und nur eine schmale nach unten führende Treppe beherbergt, werden die flachen zum bronzebeschlagenen Portal führenden Außenstufen von mächtigen Kalksteinblöcken und Ruhebänken flankiert. Die in die Steinblöcke gemeißelten großen Jugendstil-Letter geben christliche Sinnsprüche Preis. Die gesamte Treppenanlage wird von einer darunter liegenden Gruft getragen. Wer dorthin gelangen will, muss die Treppenstufen des Triumphweges zur bewachten Forte besteigen, die kolossalen Wächter passieren und schließlich die innere schmale Treppe hinabschreiten. Die in leichter Rückenansicht gezeigten Wächterfiguren sind muskulöse Männerakte, die sich durch ihre Wuchtigkeit in die architektonische Gesamtkonzeption des Grabmonuments fügen. Wie die acht grimmigen Masken zu Füßen der Portalhüter und die fünf unbekleideten Atlanten über dem Portal stammen auch die Wächter aus der Werkstatt des Bildhauers Franz Metzner (1870-1919). Schmitz und Metzner arbeiteten später auch gemeinsam an dem 1913 fertiggestellen Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.

Die Einweihung der Kraus’schen Familiengruft erfolgte 1906 mit der Beisetzung eines früh verstorbenen Sohnes von Max Krause. Max Krause war Königlich Preußischer Kommerzienrat sowie Gründer einer der damals größten Papierfabriken Deutschlands. Die Geschichte seiner Firma „M. K. Papier“ begann 1865 mit der Eröffnung eines Geschäftes in Berlin. Krauses Idee, Briefpapier fortan nicht mehr einzeln gerollt, sondern abgezählt und zusammen mit Briefumschlägen in Schachteln verpackt zu verkaufen, setzte sich im Handel und beim Publikum schnell durch. Die besonderen Mappen, Schachteln und Kassetten ließen Papier zum Mode- und Luxusartikel werden. Die Verkaufseinheit von Papier und Verpackung setzte sich auch international durch und Krauses Absatz wuchs beständig. Drei Jahre nach Eröffnung seines Geschäftes sattelte der Unternehmer vom Handel auf die Produktion um. Maschinell ließ er Briefumschläge, Post- und Tischkarten, Schachteln und Luxuspapiere fertigen. Spezielle Färbungen, Prägungen, Wasserzeichen oder Gold- bzw. Silberränder veredelten die produzierten Papierwaren. Mit der „Gelben Serie“ von 1924 entstand für das Markenbriefpapier gleichzeitig auch der bekannte Werbevers „Schreibste mir, schreibste ihr, schreibste auf MK-Papier.“. Nach Verlust einiger Werke, u.a. in Berlin, konnte nach dem 2. Weltkrieg die Produktion zunächst in Wiesbaden, dann in Mainz wieder aufgenommen werden. Aufgrund rückläufiger Verkaufszahlen musste das Familienunternehmen 1972 den Betrieb einstellen. Produktion und Vertrieb gingen auf das Unternehmen Baier & Schneider in Heilbronn über.

Das Erbbegräbnis Max Krause benötigt dringend eine grundlegende Sanierung, um es vor dem Verfall zu bewahren. (http://www.berliner-grabmale-retten.de/erbbegrabnis-max-krause/) Daher ruft die Stiftung Historische Friedhöfe zu einer Spenden- und Rettungsaktion auf. Spenden Sie für die erforderlichen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten der Grabstätte Krause.

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SPENDENKONTO
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Verwendungszweck: Max Krause

Quellen: Fischer, Christoph und Renate Schein: „O ewich is so lanck“. Die Historischen Friedhöfe in Berlin Kreuzberg. Berlin, 1987, S. 96. // Haspel, Jörg und Klaus-Henning von Krosigk, Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Gartendenkmale in Berlin. Friedhöfe. Petersberg 2008, S. 66. // Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte. Berliner Grabmale retten. Berlin 2010, S. 50-51. // Schmidt-Bachem, Heinz: Aus Papier. Eine Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Papier verarbeitenden Industrie in Deutschland. Berlin 2011, S. 377-378.

Text und Fotos: Juliane Bluhm

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