Louis Lewandowski

Komponist, Synagogenmusiker, Musikdirektor

* 03. April 1821 in Wreschen (Posen)
† 04. Februar 1894 in Berlin

Louis Lewandowski und seine Frau Helene ruhen an bevorzugter Stelle. Das mehr einem öffentlichen Denkmal als einem Grabmal gleichende Granitmal lässt die hohe Wertschätzung erkennen, die der Musiker zu Lebzeiten erlangte. Seine Herkunft aus einer unbemittelten Familie aus der ehemals preußischen Provinz Posen ist hier nicht mehr ablesbar. Seit 1833 in Berlin, begann der begnadete Sänger seine musikalische Laufbahn im Chor in der Synagoge. Kantor Ascher Lion (1776-1863) wurde sein Mentor. Als Gegenleistung für Lewandowskis Tätigkeit als musikalischer Gehilfe ermöglichte ihm die Jüdische Gemeinde den Besuch einer weiterführenden Schule. Der Bankier Alexander Mendelssohn (1798-1871), Cousin von Felix Mendelssohn Bartholdy, finanzierte ihm den Violin- und Klavierunterricht. Seine sehr guten Leistungen eröffneten Lewandowski den Zugang zu einer akademischen Ausbildung, zuerst am Sternschen Konservatorium, dann als erster jüdischer Eleve an der Königlichen Akademie der Künste. 1844 wurde er Chordirigent in der alten Synagoge. Verstärkt widmete er sich nun eigenen, auch weltlichen Kompositionen. Anlässlich seines 25. Dienstjubiläums als Chordirigent wurde Lewandowski 1865 zum Königlichen Musikdirektor ernannt. Ein Jahr später übernahm er die Stelle eines Chordirigenten an der Neuen Synagoge in der Oranienburgerstraße. Hier stand ihm eine Orgel zur Verfügung, die er mit einer eigenen Komposition einweihen konnte. Dass ein solches Instrument vorhanden war, darf als Erfolg der liberalen Strömungen im Berliner Judentum gesehen werden, denn die bisherige, orthodoxe Synagogalmusik kannte eine Begleitung durch Musikinstrumente nicht. Der Widerstand gegen diese Neuerung war nicht gering. Für Lewandowski aber eröffneten sich völlig neue musikalische Möglichkeiten, auch bei der Aufführung seiner eigenen Kompositionen. Er entwickelte eine neue Liturgie mit Orgelbegleitung für den jüdischen Gottesdienst. 1890 wurde dem Künstler durch die Königliche Akademie der Künste der Professorentitel verliehen.

Der Grabstein zeigt im Sockelbereich eine von Palmwedeln und Lorbeerzweigen gerahmte Leier, Symbol des antiken Musenführers Apoll, gleichzeitig Hinweis auf Lewandowskis musikalisches Wirken. Die Inschrift „Liebe macht das Lied unsterblich!“ unter dem Namen würdigt den Musiker nicht allein als Liedkomponisten, sondern unterrichtet uns über die Triebfeder und die Wirkung seines Tuns. 1990 gab die Deutsche Post der DDR eine Briefmarke mit seinem Porträt heraus. Seit 2011 erinnert das Louis Lewandowski Festival Berlin jährlich an den Erneuerer der synagogalen Musik.

Jörg Kuhn

www.wo-sie-ruhen.de Jüdischer Friedhof Weißensee
Grabnummer des Friedhofs und Lage: Feld A 1, Ehrenreihe

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