JOHANN GOTTFRIED SCHADOW

* 20. Mai 1764 in Berlin; † 27. Januar 1850 in Berlin

Zum diesjährigen 250. Geburtstag des Bildhauers und Grafikers

Am 20. Mai 2014 jährt sich der Geburtstag von Johann Gottfried Schadow zum 250. Mal. Geboren wurde er in Berlin als Sohn des Schneidermeisters Gottfried Schadow und dessen Frau Anna Katharina Nilles. Schon während Schulzeiten erkannte der Vater das zeichnerische Talent seines ältesten Sohnes und ließ ihm Zeichenunterricht erteilen. Nach Abschluss der Schule entschied sich Johann für den Beruf des Bildhauers und wurde Schüler des französisch-flämischen Bildhauers Jean-Pierre-Antoine Tassaert (um 1727-1788), der seinerzeit preußischer Hofbildhauer war. Von 1778 bis 1785 studierte Schadow an der Berliner Kunstakademie. Anschließend reiste er zur Weiterbildung über Dresden, Prag und Wien nach Italien. Dort pflegte er Freundschaft und künstlerischen Austausch mit Antonio Canova (1757-1822), einem der Hauptvertreter des italienischen Klassizismus.

Im Jahr nach seiner Rückkehr nach Berlin verstarb 1788 Schadows Lehrer Tassaert, dessen Auftrag zum Grabmal des Grafen Alexander von der Mark nun Schadow selbst übertragen wurde. Der zuvor aus Rom Zurückgekehrte übernahm neben der Ausführung des Grabmals auch die Nachfolge Tassaerts als königlicher Hofbildhauer. Das Grabmal des Grafen Alexander von der Mark gehört heute zu den bedeutendsten Bildwerken des deutschen Klassizismus und begründete Schadows frühen, glanzvollen Ruhm. Es folgten u. a. der Auftrag zur Quadriga auf dem Brandenburger Tor und später die Ausführung der Doppelstatue der Kronprinzessin Luise und ihrer Schwester Friederike. 1816 wurde Schadow zum Direktor der Königlichen Kunstakademie ernannt. Neben der Ausführung zahlreicher Grabdenkmäler, Standbilder und Bildnisbüsten zählt das Lutherdenkmal in Wittenberg als ein weiteres Hauptwerk des klassizistischen Bildhauers. Eine von Ernst Wagner 1909 angefertigte Marmorkopie steht seit 1975 auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof I in Berlin, auf dem auch Schadow seine letzte Ruhe fand.

Mit einem beeindruckenden Gesamtwerk von rund 400 Skulpturen und Plastiken und 3.000 Zeichnungen und Druckgrafiken prägte Schadow den bürgerlichen Realismus in Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts. In seinen Werken vereint sich edle Schönheit mit lebensnah-realistischer Auffassung. Als Gründervater der Berliner Bildhauerschule folgten ihm Schüler wie Christian Daniel Rauch oder Friedrich Tieck nach.

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Am 27. Januar 1850 starb Johann Gottfried Schadow im Alter von 85 Jahren im Kreis seiner Familie in Berlin. Am Trauerzug nahm auch der preußische König Friedrich Wilhelm IV. teil. Auf seinem Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof I steht ein quadratischer Pfeiler aus dunklem Granit, dessen Volutenkapitell die Statuette des Künstlers trägt. Das Werk stammt vom Schadow-Schüler Heinrich Kaehler (1804-1878), der es bereits vor des Lehrers Tod im Jahr 1822 fertigte. Schadow selbst hatte den ursprünglichen Bronzeguss für sein Grabmal bestimmt. Heute ziert das Grab eine Kopie der Statuette. Die Natursteinsäule mit Deckelvase neben dem Schadowschen Grabzeichen ist das Grabmal seiner zweiten Gattin Henriette, geb. Rosenstiel (1784-1832). Säule und Vase stammen von Schadow selbst. Beide Gräber werden von einem eisernen Gitter umfriedet.

Auf der Titelseite seiner Memoiren, die Schadow gegen Ende seines Lebens verfasst hatte, steht hinter seinem Namen: „Hofbildhauer Seiner Majestät des Königs von Preußen, Direktor der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin, Ritter des Roten Adlerordens zweiter Klasse mit dem Stern, des Ordens Pour le mérite für Wissenschaft und Kunst und des Königlich-Schwedischen Nordstern-Ordens; Mitglied der Kunstakademien zu Stockholm, Kopenhagen, Wien, München, Rom, Kassel, Dresen; korrespondierendes Mitglied der Akademien zu Paris und Brüssel; Mitglied des Mecklenburgischen Patriotischen Vereins, der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur sowie des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde.“

Dieses außergewöhnliche Leben und das künstlerische Werk Schadows werden derzeit in einer Ausstellung der Stiftung Stadtmuseum Berlin im Ephraim-Palais gezeigt.
„Unser Schadow. Gratulation zum 250. Geburtstag“

Quellen: Darmstaedter, Robert und Ulrike von Hase-Schmundt (Hrsg.): Reclams Künstlerlexikon. Stuttgart 2002, S. 654. // Etzold, Alfred und Wolfgang Türk: Der Dorotheenstädtische Friedhof. Berlin 1993, S. 69-72. // Maaz, Bernhard (Hrsg.): Nationalgalerie Berlin, Das 19. Jahrhundert. Bestandskatalog der Skulpturen, Bd. II. Leipzig 2006. // Mende, Hans-Jürgen: Dorotheenstädtischer Kirchhof und Französischer Friedhof I an der Chauseestraße. Berlin 2008, S. 68-69.

Text und Fotos: Juliane Bluhm

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