Heinrich von Stephan zum 114. Todestag

07.01.1831 bis 08.04.1897

Am 08. April 2011 jährt sich der 114. Todestag Heinrich von Stephans, dem genialen Gründer und Organisator der Deutschen Reichspost und des Weltpostvereins, dem Wegbereiter eines modernen Nachrichtenwesens.

Er machte eine außergewöhnliche Karriere als Postbeamter, die ihn in die Spitzenposition eines „Staatssekretärs des Reichspostamtes“ brachte. Für seine bedeutenden Leistungen wurde er zum Geheimen Rat ernannt und in den preußischen Staatsrat berufen. Kaiser Wilhelm I verlieh ihm den erblichen Adel, Kaiser Wilhelm II berief ihn zu einem der Domherrn in Merseburg und zum Staatsminister.

Große Wertschätzung genoss Heinrich von Stephan auch auf schriftstellerischem Gebiet und machte sich einen Namen in der Gelehrtenwelt. Neben der Verarbeitung von Themen rund um das Postwesen, schrieb er auch ein Buch über „Das heutige Ägypten“, das die Universität Halle zum Anlass nahm, ihm die Doktorwürde zu verleihen.

Stephans Verdienste sind herausragend. Vieles, was uns heute im Postverkehr selbstverständlich erscheint, geht auf seine zielstrebigen Leistungen zurück. Für uns inzwischen so alltägliche Dinge wie die Postkarte oder die Handhabung des Telefons sind mit seinem Namen verknüpft. Er vereinfachte den Postverkehr im innern wie im internationalen Verkehr, vereinigte Post und Telegrafie, verband alle wichtigen Haupt- und Handelsstädte mit Telegrafenkabeln, betrieb den Ausbau von Seekabelverbindungen ins Ausland, auf seine Initiative wurde auch die erste Rohrpostanlage in Berlin erbaut.

Beeindruckend ist ebenso seine Schaffenskraft als Bauherr von 300 Postgebäuden, der Reichsdruckerei, der Gründung des Reichspostmuseums, in dem sich heute das Museum für Kommunikation Berlin befindet.

Die Einweihung des Reichspostmuseums, übrigens eine Lieblingsidee Heinrich von Stephans, erlebte er nicht mehr. Allerdings fand hier eine große Trauerfeier für ihn statt und anschließend geleitete ein überwältigender Trauerzug den Verstorbenen zu dem damals so genannten Kirchhof der Dreifaltigkeitsgemeinde in der Baruther Straße (heute: Friedhof I der Dreifaltigkeitsgemeinde in Friedrichshain-Kreuzberg)

Das Grabmonument für Heinrich von Stephan stammt von dem Bildhauer Joseph Uphues (1850-1911), einem Meisterschüler des Bildhauers Reinhold Begas (1831-1911). Ein Spendenaufruf von Postbediensteten hatte die erforderliche Summe für die Finanzierung des Grabdenkmals und sogar darüber hinaus für die Errichtung eines Standbildes erbracht. Das Grabdenkmal wurde am zweiten Todestag von Heinrich von Stephans enthüllt und ist eines der bedeutendsten Werke der Berliner Sepulkralkunst. Eine weibliche Trauernde mit einem Lorbeerkranz in ihrer Linken lehnt an einem Obelisken mit einer lorbeerumwundenen, wulstartigen Basis, der sich auf einem gestuften Postament erhebt, dessen Stirnseite das Relief einer aufgehenden Sonne und darin eingeschriebener Inschrift „Ewiger Friede“ trägt. Name und Lebensdaten sind in den Obelisken vorn und an den Seiten eingemeißelt, die Rückseite trägt den beliebten Bibelvers aus dem ersten Brief des Paulus an die Korinther (13, 13). Obelisk und Lorbeer weisen auf den Ruhm und die Unsterblichkeit des Verstorbenen hin, aufgehende Sonne und Inschrift „Ewiger Friede“ auf die christliche Auferstehung. In dem schmiedeeisernen, den Grabbezirk umfriedenden Gitter sind Rosenblüten und Mohnkapseln als Symbole der Liebe und des Schlafes eingearbeitet. Das Marmorgrabmal beeindruckt durch den architektonischen Aufbau, gleichermaßen durch die stilistische Verknüpfung von Elementen des Neubarock und des Jugendstils. Gestus und Modellierung des faltenreichen Gewandes der Trauernden entsprechen der neubarocken Stilauffassung, Stilisierung und Linienführung der Sonnenstrahlen dem Jugendstil.

Das kunsthistorisch bedeutende Grabdenkmal, das auch zu den Berliner Ehrengräbern zählt, bedarf notwendig einer Restaurierung. Es ist eines von 100 Grabdenkmälern, die das Landesdenkmalamt Berlin in der Publikation „Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte, Berliner Grabmale retten“ aufgenommen hat, um in der breiten Öffentlichkeit Spender und Sponsoren für restauratorische Maßnahmen zu gewinnen, denn die Erhaltung und zukünftige Bewahrung unseres kunst- und kulturhistorisch wertvollen Grabmalbestandes ist nicht allein durch Mittel der öffentlichen Hand zu bewältigen. Der Publikation entsprechende ausführliche Informationen finden sich auf der Internetseite: http://www.berliner-grabmale-retten.de/

Text: Martina Samulat-Gede, Öffentlichkeitsarbeit

Bildnachweis:
Martina Samulat-Gede: Ansichten des Grabdenkmals Heinrich von Stephan, Friedhof I der Dreifaltigkeitsgemeinde in Friedrichshain-Kreuzberg, Aufnahmen aus dem Jahr 1988. Der heute nur noch zur Hälfte vorhandene Kranz in der Hand der Trauerfigur ist auf den älteren Fotos noch vollständig.

Weiterführende Literatur:
Bloch, Peter und Scherhag, Ludwig, Grabmäler in Berlin III, Exempel: Die Kirchhöfe des 18. Jahrhunderts vor dem Halleschen Tor, Hrsg. v. Presse- und Informationsamt des Landes Berlin, Berliner Forum 7/80, Berlin 1980

Bartholdy, Martin und Oberpostrat Dr. Körner, Der Generalpostmeister Heinrich von Stephan und die Deutsche Reichspost von Stephan bis heute, Berlin 1938

Einholz, Sibylle, Die Berliner Bildhauerschule und die Kreuzberger Friedhöfe. Kleines Künstlerlexikon der Berliner Bildhauerschule für die Kreuzberger Friedhöfe am Halleschen Tor und in der Bergmannstraße, in: O ewich is so lanck, Die Historischen Friedhöfe in Berlin-Kreuzberg, Ein Werkstattbereicht, Hrsg. V. Christoph Fischer u. Renate Schein, Berlin 1987, S. 105-128

Handwörterbuch des Postwesens, Hrsg. v. Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen, Frankfurt (Main) 1953, S. 695 ff

Hartmann, Eugen, Staatssekretär Dr. v. Stephan, Generalpostmeister des Deutschen Reiches, geboren 7. Januar 1831, gestorben 8. April 1897, Rede bei der von der Elektrotechnischen Gesellschaft zu Frankfurt a. M. am 5. Mai 1897 veranstalteten Gedächtnisfeier, Frankfurt a. M. 1897

Kaul, Brigitte, Joseph Johann Ludwig Uphues (1850-1911). Ein Bildhauer im Wilhelminischen Zeitalter und sein Werk, Phil. Diss., Berlin 1988

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