Hans Schröder

Zum diesjährigen 96. Todestag des Studenten

* 1897; † 24. März 1920 in Berlin

Das Schrödersche Erbbegräbnis hat wie wenige Grabanlagen auf den Friedhöfen an der Bergmannstraße einen äußerst politischen Bezug. Der Tod des hier beigesetzten Hans Schröder steht in Verbindung mit einem Abschnitt politischer Wirren und des Umbruchs in der Zeit zwischen dem Ende der Monarchie nach 1918 und der beginnenden Weimarer Republik, eine Epoche, die namentlich in der Reichshauptstadt Berlin zu dramatischen Konflikten geführt hat.

Eines der diese Zeit prägenden Ereignisse war der sogenannte „Blutsonntag“ am 21. März 1920. Es ist der Tag der noch jungen Weimarer Republik, an dem Regierungstruppen in Köpenick und weiteren südöstlichen Bezirken Berlins gewaltsam gegen jene Linken vorgingen, die nach der Niederschlagung des Kapp-Putsches ihre Waffen nicht niederlegen wollten.

Hans Schröder, ein junger Volkswirtschaftsstudent von 23 Jahren, gehörte an diesem „Blutsonntag“ zu einer Gruppe, die sich ohne jegliche militärische oder polizeiliche Ausbildung für die Wiederherstellung von „Recht und Ordnung“ den Regierungstruppen angeschlossen hatte. Bei blutigen Auseinandersetzungen verloren viele ihr Leben, so auch Hans Schröder.

Hans Schröder
Die Grabstätte wird rückseitig durch eine halbhohe Mauer aus Muschelkalk sowie vier geschmiedete „Gitterfenster“ begrenzt. Das an zentraler Stelle als Postament ausgebildete Mittelfeld der Mauer trägt eine lebensgroße, fein gearbeitete Frauenfigur aus Marmor.

Die eindrucksvolle, 1,60 Meter hohe Grabplastik stellt eine Allegorie der Auferstehungshoffnung dar. Den sanft trauernden Blick nach oben gerichtet, ruht ihre linke Hand auf dem Herzen, während die rechte erdwärts gerichtet ist. Eine kunstvolle Faltendrapierung des hauchdünnen Gewandstoffes, der im Begriff ist, sich schon bald vollends von der Schulter zu lösen, zeichnet jede Rundung des weiblichen Körpers nach. In seltener Vollkommenheit sind hier bei genauer Betrachtung Eros und Thanatos verschmolzen. Hoher künstlerischer Anspruch und eine vollendete Umsetzung verleihen dem Schröderschen Erbbegräbnis einen großen kunst- und kulturhistorischen Wert. Die Grabanlage konnte im Jahr 2013 durch eine private Spende restauriert werden.

Grabnummer des Friedhofs und Lage: Alter Luisenstädtischer Friedhof, 010A-011-018

Text abrufbar über die Friedhofs-App www.wo-sie-ruhen.de unter den Friedhöfen an der Bergmannstraße.

Text: Klaus-Henning von Krosigk
Foto: Juliane Bluhm

 

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