Georg Klingenberg

* 28. November 1870 in Hamburg; † 7. Dezember 1925 in Berlin

Zum diesjährigen 143. Geburtstag des Kraftwerkbauers und Elektrotechnikers

Das Kraftwerk Klingenberg im heutigen Berliner Ortsteil Rummelsburg galt in den 1920er Jahren als der bedeutendste Kraftwerksneubau in Deutschland. Technisch konzipiert wurde das Werk von Georg Klingenberg, dem Pionier des modernen Kraftwerkbaus. Die Architekten Walter Klingenberg (1881-1963), Georgs Bruder, und Werner Issel (1884-1974) schufen eine komplexe Industrieanlage in expressionistischer Formsprache. Als das Werk 1927 mit der Produktion begann, erreichte es mit 270.000 Kilowatt Elektroenergie seine volle Leistung. Das heute unter Denkmalschutz stehende Kraftwerk gilt noch immer als einer der größten Stromerzeuger der Stadt.

Georg Klingenberg wurde am 28. November 1870 als Sohn des Architekten Ludwig Klingenberg (1840-1924) in Hamburg geboren. In Oldenburg und Osnabrück verbrachte er seine Jugend- und Schuljahre, bis er als Zwanzigjähriger an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg seine Studien in Maschinenbau, Elektrotechnik, Mathematik und Physik aufnahm. Fünf Jahre später promovierte er an der Universität in Rostock zum Doktor der Philosophie. Es folgten seine Habilitation und der Beginn seiner Vorlesungstätigkeit an der Technischen Hochschule Berlin.
Durch die Bekanntschaft mit Emil Rathenau (1838-1915) wurde Klingenberg 1902 zum Vorstandsmitglied bei der AEG gewählt und man betraute ihn mit dem Arbeitsgebiet „Bau und Betrieb von Elektrizitätswerken“. So hatte er die Möglichkeit, seine Theorien hinsichtlich des Kraftwerkbaus praktisch umzusetzen. Die Lagerung der Kohle und deren Transport auf kürzestem Wege innerhalb eines Werkes führten zu Veränderungen der damals gültigen Regeln für den Entwurf von Kraftwerken. Zudem entwickelte er einen Hochleistungskessel, indem er die Dampfgeschwindigkeit enorm steigerte und einen vergrößerten Vorwärmer einsetzte, der direkt mit dem Kessel verbunden war. Schließlich erhielt jeder Kessel einen eigenen Blechschornstein. Das erste Kraftwerk, das Klingenberg nach seinen neuen Richtlinien baute, war das Kraftwerk Heegermühle in Eberswalde, das viele Jahre als Musteranlage und Vorbild für zahlreiche andere Werke wurde. Insgesamt plante und baute er rund 70 Elektrizitätswerke im In- und Ausland.

Seine Leistungen wurden vielfach in der Fachwelt anerkannt und ausgezeichnet. 1918 erhielt Klingenberg die Ehrendoktorwürde der TH Berlin-Charlottenburg, zudem hatte er den Titel des „Geheimen Baurats“ inne und wurde zum Mitglied der Bauakademie ernannt. Als er nur wenige Tage nach seinem 55. Geburtstag am 7. Dezember 1925 überraschend an einer Lungenentzündung verstarb, erschienen vielzählige Nachrufe in verschiedensten Fachzeitschriften. Die AEG veröffentlichte im Folgejahr seines Todes einen Erinnerungsband mit dem Titel „Zum Gedächtnis an Georg Klingenberg“. Darin enthalten sind Würdigungen durch Mitarbeiter und Fachkollegen sowie Beileidskundgebungen an seine Frau Maria, die Tochter des bekannten Berliner Architekten Heinrich Joseph Kayser (1842-1917), die er 1912 geheiratet hatte.

Seine Ruhestätte befindet sich auf dem Kreuzberger Dreifaltigkeitsfriedhof II in der Bergmannstraße zwischen den Gräbern seines Schwiegervaters Kayser und des Malers Adolph von Menzel (1815-1905). Zwei flache Stufen aus dunklem Granit führen zu einer mächtigen Grabplatte, die heute nur noch die Namensinschrift aus Bronzelettern trägt – ein metallener Kranz nebst ausführlicher Inschrift wurden entfernt. Die glatte Grabwand aus hellen Kalksteinquadern wird nach oben und zu den Seiten durch einen stark bossierten Rahmen begrenzt. Zentrales Motiv der Grabstätte ist das mittig in die Grabwand eingelassene Bronzerelief, welches den Ingenieur in seitlichem Profil zeigt. Das Relief ist ein Werk des Bildhauers Fritz Klimsch (1870-1960). Die schlichte Formsprache des Bildnisses fügt sich in die reduzierte Sprache der Grabarchitektur. Lediglich drei steinerne Kranzhalter im unteren Bereich der Grabwand brechen neben dem Relief die glatte Kalksteinfläche auf.

Quellen: Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft: Zum Gedächtnis an Georg Klingenberg. Berlin 1926. // Mende, Hans-Jürgen: Dreifaltigkeitsfriedhof II. Ein Friedhofsführer. Berlin 2004, S. 28-29. // Treue, Wilhelm und Wolfgang König (Hrsg.): Berlinische Lebensbilder: Techniker. Berlin 1990, S.267-278.

Text und Fotos: Juliane Bluhm

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