Gedenktage Monat Mai

Alles neu macht der Mai. Den Frühlingsmonat haben wir zum Anlass genommen, gleich drei Persönlichkeiten vorzustellen, deren Grabmale bereits vor dem Verfall gerettet werden konnten. Alle drei Grabstätten auf dem Friedhof Dreifaltigkeit II an der Bergmannstraße wurden im vergangenen Jahr mit Hilfe öffentlicher und privater Spenden denkmalgerecht restauriert. Die Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg dankt allen Spendern herzlich.

Wir wollen zahlreiche weitere wertvolle Grabmale vor dem Verfall bewahren und rufen zu Spenden auf. Leisten Sie einen Beitrag zur Rettung, Restaurierung und Pflege kunst- und kulturhistorischer Denkmale. Wir danken im Voraus ganz herzlich für Ihre Spende!

CHARLOTTE VON KALB Schriftstellerin
* 25. Juli 1761 in Waltershausen im Grabfeld; † 12. Mai 1843 in Berlin

Charlotte von Kalb ist heute vor allem wegen ihrer Liebesbeziehungen zu Friedrich Schiller und Jean Paul bekannt. Als Dichtermuse inspirierte sie die Literaten der Klassik. Sie kannte Goethe und war eng befreundet mit Friedrich Hölderlin und Johann Gottlieb Fichte.
1783 wurde die vielseitig gebildete Adlige gegen ihren Willen mit dem Offizier Heinrich von Kalb vermählt. Sie galt als sehr belesen und geistreich und suchte den Kontakt zur Literatur und Literaten. In Mannheim lernte sie Schiller kennen, später in Weimar Jean Paul. Von beiden Dichtern erhoffte sie sich wahre Liebe, beide Beziehungen endeten für sie unglücklich.
Von Weimar nach Berlin gezogen, verlor sie 1804 ihr ganzes Vermögen, 1806 erschoss sich ihr Ehemann, später auch ihr ältester Sohn. Auch ihr jüngster Sohn überlebte sie nicht, sondern nur ihre Tochter Edda. Aufgrund eines Augenleidens erblindete Charlotte von Kalb im Alter von 59 Jahren vollständig. Von Prinzessin Marianne von Preußen erhielt sie im Königlichen Schloss Berlin eine Wohnung, in der sie nahezu 80-jährig ihre Memoiren diktierte.
Charlotte von Kalb hat zu Lebzeiten fast nichts veröffentlicht. Ihre Lebenserinnerungen, Briefwechsel, ein Roman sowie mehrere Gedichte erschienen erst nach ihrem Tod. „Ich war auch ein Mensch, sagt der Staub! Ich bin auch ein Geist, sagt das All“ lautet die vergoldete Inschrift des Grabes, das aus einem schlichten Liegestein aus Granit besteht und von einem schmiedeeisernen Gitter umgeben ist.

HEINRICH LOMMATZSCH Leutnant der preußischen Armee
* Mai 1837; † 8. April 1864 bei Sønderborg, Dänemark

Allein am 18. April 1864, dem Tag der Entscheidungsschlacht im Deutsch-Dänischen Krieg, verloren fast 1.700 dänische und über 1.200 preußische Soldaten ihr Leben. Schauplatz waren die Düppeler Schanzen in der Nähe von Sønderborg in Süd-Dänemark. Dänemark erlitt hier eine schwere Niederlage gegen Preußen und Österreich und musste in der Folge die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg abtreten. Beim letzten großen Gefecht, bekannt als die Erstürmung der Düppeler Schanzen, wurde Heinrich Lommatzsch (1837-1864) von einer tödlichen Kugel getroffen. Der gerade 27-jährige hatte den Dienstgrad eines Ingenieurs und Premierleutnants der preußischen Armee inne und führte beim Angriff auf die fünfte Schanze eine Pionierkompanie an. Lommatzschs Grabmal, das aus rotbraunem Sandstein gearbeitet ist, besteht aus einem quadratischen Sockel mit Inschrift, auf dem eine mächtige, kannelierte und abgebrochene Säule steht. Drei Marmorplatten bedecken den sich davor erhebenden, kleinen Grabhügel.
(Text aus: Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte. Berliner Grabmale retten. Berlin 2010, S. 41)

PHILIPP KONRAD MARHEINEKE protestantischer Theologe
* 1. Mai 1780 in Hildesheim; † 31. Mai 1846 in Berlin

Mit 18 Jahren begann Philipp Konrad Marheineke in Göttingen das Studium der Theologie und Philosophie, fünf Jahre später promovierte er zum Doktor der Philosophie in Erlangen mit einer Dissertation über die Moraltheologie des 17. Jahrhunderts. 1804 war er Repetent an der Universität Göttingen und wurde bereits 1805 auf Empfehlung zum zweiten Universitätsprediger und außerordentlichen Professor an die Universität Erlangen berufen. Bevor der bekennende Protestant 1811 an die neu gegründete Universität nach Berlin kam, promovierte er mit einer Arbeit über die Lehre vom Abendmahl zum Doktor der Theologie. In Berlin hatte er den Lehrstuhl für Dogmatik und Kirchengeschichte inne. Ab 1820 war er als Prediger an der im zweiten Weltkrieg völlig zerstörten und heute nicht mehr vorhandenen Dreifaltigkeitskirche tätig. Die zu der Kirche gehörenden Friedhöfe Dreifaltigkeit I-III existieren heute noch.
Kennzeichnend für Marheinekes Berliner Jahre war die enge Verbindung von Gelehrsamkeit und Predigertätigkeit. Die Philosophie Friedrich Hegels wurde in Berlin zur Basis seines theologischen Systems. Dies zeigt sich deutlich in seinem 1827 veröffentlichten Werk „Grundlehre der christlichen Dogmatik als Wissenschaft“.
Ihm zu Ehren wurde der Platz vor der Kreuzberger Passionskirche Marheineke-Platz benannt. Sein Grabmal auf dem Friedhof Dreifaltigkeit II – eine Stele aus rötlichem Granit, die oben mit einem architektonischen Giebel abschließt – fasst ein rundes Bronzemedaillon, das den Theologen in seitlichem Profil zeigt.

Text und Fotos: Juliane Bluhm

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