FRITZ SCHAPER

*31. Juli 1841 in Alsleben an der Saale; †29. November 1919 in Berlin

Zum diesjährigen 172. Geburtstag des Bildhauers am 31. Juli

Fritz Schaper zählt zu den wichtigsten Vertretern der Berliner Bildhauerschule in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In der äußerst denkmalfreudigen Wilhelminischen Ära schuf der vom Kaiser unterstützte und zu seiner Zeit außerordentlich geschätzte Künstler eine Fülle von Denkmälern, Standbildern und Portraitbüsten von Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Industrie.

Am 31. Juli 1841 wurde Hugo Wilhelm Friedrich Schaper als vierter Sohn von Friedrich Gottfried Peter Schaper und Antonie Schaper (geb. Heiligenstädt) in Alsfeld an der Saale geboren. Der Vater war Diakon an der Alsfelder Kirche St. Caecilien. Fritz war kaum sieben Jahre alt, als sein Vater an Cholera verstarb. Die Mutter ging mit den Kindern nach Halle, wo auch sie ein Jahr später verstarb. Die sieben verwaisten Kinder fanden bei verschiedenen Familien Aufnahme. Fritz kam zur gräflichen Familie Kielmannsegg. Seine schulische Ausbildung erhielt er an der Realschule der Franckeschen Stiftung in Halle.

Mit 15 Jahren begann Fritz Schaper eine Steinmetzlehre bei C.A. Merckel in Halle und bewies schnell überdurchschnittliche Begabung. Lehrer und Ziehfamilie förderten das Talent und der engagierte Eleve besuchte ab 1859 die Königliche Akademie der Künste in Berlin. Hier erlernte er u. a. anatomisches Zeichnen und das Zeichnen nach der Antike. Als Neunzehnjähriger trat Schaper in das Berliner Atelier von Albert Wolff (1814-1892) ein. Wolff war Schüler von Christian Daniel Rauch (1777-1857) – dieser war gerade erst zweieinhalb Jahre verstorben, als Schaper 1860 in die Wolffsche Schule kam. Rauchs Werk war auf Berlins Plätzen, in den Schlössern und Gärten und in den Bildhauerateliers noch immer gegenwärtig.
Der in das Jahr 1867 fallende Besuch der Weltausstellung in Paris hinterließ einen tiefen Eindruck bei dem jungen Künstler und er gründete nach seiner Rückkehr ein eigenes Atelier in Berlin, das sich anfangs in der Großen Präsidentenstraße und wenig später in der Albrecht Straße 9 befand. Es folgten erste eigene bildhauerische Entwürfe und Modelle, jedoch kamen nur wenige zur Ausführung und die Aufträge waren noch spärlich. Um 1870 erschienen erste namhafte Werke Schapers und mit der ihm übertragenen Ausführung des Goethe-Denkmals in Berlin wurde der Bildhauer auch über die Grenzen der Stadt hinaus schlagartig berühmt. Fortan setzten die großen Aufträge ein. Die Aufnahme einer Lehrtätigkeit am Aktsaal für Bildhauer bestätigte Schapers Ansehen und festigte seine finanzielle Lage. Am 2. Juni 1880 wurde sein Goethe-Denkmal am Eingang des Berliner Tiergartens enthüllt. Mehr als acht Jahre hatte er für die Ausführung des monumentalen Standbildes benötigt. Im selben Jahr wurde Schaper ordentliches Mitglied der Königlichen Akademie sowie königlich preußischer Professor.

In den 80er und 90er Jahren entstanden deutschlandweit vielzählige Bildwerke durch direkte Aufträge von Privatpersonen oder Institutionen. Neben historisch bedeutsamen Persönlichkeiten wie Luther, Bismarck, Lessing, Gaus oder Goethe, bildete er auch Politiker, Industrielle, Wissenschaftler und Künstler seiner Zeit ab. Zu den Berliner Werken zählen beispielsweise die Christus-Statue vom Altar der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, der segnende Christus über dem Hauptportal des Berliner Doms, das Tympanonrelief am Hauptportal des Reichtagsgebäudes oder die Figurengruppe der Königin Luise mit dem kleinen Kronprinzen Wilhelm. 1891 heiratete Schaper die 19 Jahre jüngere Helene Rittershaus, eine impulsive, warmherzige Frau und Tochter des damals bekannten rheinischen Dichters Emil Rittershaus. Im darauf folgenden Jahr wurde sein erstes Kind, die Tochter Hedwig geboren. Später wurden die Töchter Eva und Dorothea sowie der Sohn Wolfgang geboren. Dorothea und Wolfgang ergriffen gleich dem Vater den Bildhauerberuf.

Schwere seelische Krisen mit tiefen Depressionen – Folgen völliger Arbeitsüberlastung – zwangen den Bildhauer 1900 zu einem längen Sanatoriumsaufenthalt. Schaper erholte sich, es folgten weitere Aufträge. Bald nach Ausbruch des ersten Weltkrieges erkrankte er an den Augen. Im Sommer 1915 traten erste motorische Störungen an der rechten Hand auf. Schapers Schaffenskraft war erschöpft. Er verstarb am 29. November 1919 im Alter von 78 Jahren.

FritzSchaper_klein

Seine letzte Ruhe fand der Künstler auf dem Friedhof IV der Gemeinde Jerusalems- und Neue Kirche in der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg. Im Frühjahr dieses Jahres wurde sein Grabstein auf familiäres Engagement erneuert. Eine schlichte Stele aus hellem Muschelkalkstein trägt seinen sowie die Namen enger Familienmitglieder. Im Zuge der Neuerrichtung des Grabzeichens wurden drei weitere Namen der Familie „in memoriam“ hinzugefügt: Elsbeth Yvonne Schaper, Ehefrau von Wolfgang Schaper, die nach ihrem Schicksal als Jüdin nach vielen Jahren somit in die Familiengeschichte einbezogen werden konnte sowie die beiden Schaper-Töchter Eva Schaper-Nölle und Dorothea Schaper-Barthels. Erwähnt sei, dass die Tochter von Eva Schaper-Nölle die 2010 verstorbene und bekannte Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann ist. Die feierliche Einweihung des neuen Steins fand im April 2013 im Kreis von Familienmitgliedern und Angehörigen statt.

Quellen: Hinkfoth, Uwe (Hrsg.): Fritz Schaper. Die Wiederentdeckung des Denkmals. Katalogbuch zur Ausstellung im Museum Goch, 30. Juli bis 3. September 2000. Goch 2000. // Müller, Gerhard: Der Bildhauer Prof. Friedrich Schaper. Ehrenbürger der Stadt Alsleben an der Saale – Ein Beitrag zur Stadtgeschichte. Alsleben 1994. // Simson, Jutta von: Fritz Schaper 1841-1919. München 1976.

Text und Fotos: Juliane Bluhm

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