Friedrich von Pommer Esche zum 95. Todestag

04.07.1869-13.09.1916

Wie schon in den vergangenen Monaten, Juli und August, so wollen wir unsere Leser auch im September 2011 noch einmal auf den bevorstehenden „Tag des offenen Denkmals“ einstimmen, den die Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg am 10. und 11. September 2011 auf dem Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchhof veranstaltet.

Wir widmen unseren Gedenktag Friedrich von Pommer Esche, der am 13. September 1916 im Alter von 37 Jahren in Frankreich gefallen war. Seine Asche ist in der Gruftkammer der Familie Schulenburg im Untergeschoss der Kapelle des Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchhofs beigesetzt. Die ihm gewidmete Marmorurne steht auf einem hohen beschrifteten Sockel. Der Inschrift ist zu entnehmen, dass er während des Ersten Weltkriegs als Major und Battaillionskommandeur im I. Grenadier-Reserve-Regiment gedient hat. Friedrich Pommer Esche war mit Elisabeth Schulenburg verheiratet. Ihr Vater, Richard Carl Schulenburg, wurde als erster in der Familiengruft beigesetzt.

An Friedrich von Pommer Esche und an die Familie Schulenburg erinnert ein Epitaph an der westlichen Außermauer der Kapelle. In der Verwendung von zwei unterschiedlichen Steinarten für die gestalteten Elemente fällt die Gedenktafel auf. Die weißen Marmorsäulen, welche die verlorenen Inschrifttafeln zu den Seiten flankieren, kontrastieren mit dem gelben Sandstein der übrigen Architekturteile. Durch den farblichen Kontrast des weißen Marmors bekommt der Sandstein eine geradezu hölzerne Wirkung. Ganz offensichtlich sollte dieser Eindruck entstehen, wie die zum Teil hölzerne Oberflächenstruktur und die als Holzdübel aufzufassenden runden Befestigungselemente erklären mögen.

An den weißen Marmorsäulen ranken Passionsblumen empor, die als Sinnbilder auf die Leidensgeschichte und den Kreuzestod Christi hinweisen. Auf diese Weise sind sie im doppelten Sinne Stützglieder, architektonisch zur Aufnahme der Traglast und christlich stehen sie für den Glauben an die Auferstehung und Ewigkeit Christi. In diesem Zusammenhang erklärt sich auch das strahlende Weiß des Marmors als Farbe des Lichtes, der Reinheit und der Vollkommenheit.

Die Säulen tragen einen kleeblattförmigen Bogen, der auf einem Architrav mit säumendem Zahnschnittfries ruht. Ein vertieftes Ellipsenfeld im Zentrum des Bogenfeldes dient zur Aufnahme der vertieft gesetzten Inschrift „JESUS CHRISTUS / GESTERN / UND HEUTE UND DER- / SELBE AUCH IN / EWIGKEIT“. Die Bibelinschrift aus dem Hebräerbrief (13,8) verweist darauf, dass Jesus Christus auch über den Tod hinaus der verlässliche Begleiter und Erlöser sein wird. Passionsblumen an den unteren Ecken der Ellipse nehmen darauf symbolisch Bezug. Der Name der Familie Schulenburg steht in erhabenen Buchstaben in der Bogenkrümmung und umschreibt gleichzeitig den Ellipsenbogen.

Jeweils über den verloren gegangenen Inschriftfeldern befinden sich halbkreisförmige Flachreliefs mit Vögeln in Blattwerk, die von alters her als Mittler zwischen Himmel und Erde gelten und zudem die Seele verkörpern.

Ein Blumenkasten, der das Epitaph wie eine Konsole stützt, dient zur persönlichen Bepflanzung. An der Frontseite sind Name und Lebensdaten des Friedrich von Pommer Esche eingemeißelt, jedoch finden wir hier anders als an der Sockelinschrift in der Gruftkammer das Todesdatum 1917 (!).

Text: Martina Samulat-Gede M. A., Öffentlichkeitsarbeit

Bildnachweis: Kapelle und Epitaph der Familie Schulenburg / Pommer Esche an der Westseite der Kapelle, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchhof, Fotos v. Martina Samulat-Gede, Aufnahmen 2011

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