Eva Catharina Roos

* 10.11.1718
† 31.1.1779

Alter Katholischer Friedhof Dresden

Die Grabstelle der Familie Roos stellt aus heutiger Sicht ein anschauliches Lehrbuch der Friedhofssymbolik dar. Geistesgeschichtlich ist die Grabgestaltung noch sehr der barocken Stilistik verbunden. Es gibt hier nicht den geschlossenen Körper eines Grabsteins, nein, hier wird ein Ensemble inszeniert. Die Grabstelle wurde 1779 aus Anlass des Todes von Eva Catharina Roos geschaffen. Damals hatte sich der Zeitgeschmack allerdings schon vom Barock gelöst und dem Klassizismus zugewandt. Umso erstaunlicher, dass hier noch einmal ein barockes Zitat entstand. Über einem Sockel erhebt sich ein flacher Obelisk. Davor ist ein Kruzifix zu sehen, das in seinen Proportionen unverhältnismäßig klein ist und von den beiden Figuren rechts und links überragt wird. Unter dem Kreuz ist ein Stück des Grabsteins herausgebrochen. Die Form der Fehlstelle deutet darauf hin, dass sich früher dort ein Totenkopf befand, der im Barock als Zeichen der Vergänglichkeit galt. Aber auch eine Muschelgestaltung wäre denkbar. Auf der rechten Seite schwingt ein Putto ein Weihrauchfass. Die Figur auf der linken Seite ist – entgegen der barocken Symmetrie – kein Putto, sondern eine Frauengestalt mit Anker und einem brennenden Herzen. Solche Darstellungen sind eher für den süddeutschen Raum bekannt. Dort findet man mitunter das brennende Herz der Gottesmutter als Beschreibung ihres Leids nach der Kreuzesabnahme des toten Jesus. Die bekannten Fakten zu der Familie Roos geben jedoch keinen Hinweis, dass hier allegorisch die Trauer um den Verlust eines Kindes dargestellt wäre. Eine andere Möglichkeit der Interpretation bietet das Lukasevangelium 24,2. Dort begegnet Jesus den Emmausjüngern, die ihn zunächst nicht erkennen, deren Herz aber bei der Begegnung „brannte“. So wird das brennende Herz auch als Symbol für die Begegnung zwischen Mensch und Gott verwendet. Der Anker verweist auf Festigkeit und Standhaftigkeit im Glauben. Die biblische Begründung dafür liefert der Hebräerbrief 6,19, wo es heißt: „Die angebotene Hoffnung haben wir wie einen sicheren und festen Anker für unsere Seele“. Für den Barock typisch ist auch die Darstellung der Buchstaben IHS in einem Strahlenkranz. Diese Buchstaben sind die beiden ersten und der letzte des griechischen Namens für Jesus.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwarb eine Familie Elsner die abgelaufene Grabstelle. Hier setzte man den im 1. Weltkrieg gefallenen Sohn Ludwig bei. Somit findet die Möglichkeit der Interpretation des brennenden Herzens als Zeichen der Trauer um den toten Sohn nach fast 150 Jahren eine nachträgliche Erfüllung.

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