Erwin Ruperti zum 166. Geburtstag

30.08.1845 – 24.12.1903

Wie schon im Juli so auch im Monat August 2011 wollen wir die Leser unseres Gedenktages wieder auf den bevorstehenden „Tag des offenen Denkmals“ einstimmen, den die Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg am 10. und 11. September 2011 auf dem Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchhof veranstaltet.

Wir widmen unseren Gedenktag dem ehemaligen Charlottenburger Bürger Erwin Ruperti, der am 30. August 1845 vor 166 Jahren geboren wurde, aber schon als Rentier im Alter von 58 Jahren verstarb. Das war am Heiligabend 1903.

Er wurde in der Familiengruft im Untergeschoss der Kapelle des Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchhofs beigesetzt.

An ihn und ebenfalls an seine später verstorbene Ehefrau erinnert ein Epitaph an der nördlichen Außenmauer der Kapelle. Der Rahmen des sandsteinernen Rundbogen-Epitaphs, das die Inschriftplatte mit den aufgesetzten Bronzebuchstaben einfasst, ist überreich mit geschwungenen Weinranken und Weinreben und davon pickenden Vögeln ausgestattet. Entsprechend der Biegungen der Ranken und dem daran wachsenden Wein drehen sich die Vögel mit ihren Körpern und Hälsen, so dass sich ein fortlaufendes Muster ergibt. Vögel hocken auch auf den Kapitellen des innenliegenden Bogens, der zusammen mit den ihn stützenden Säulen durch die markante korkenzieherartig gedrehte Form auffällt.

Der Wein und die davon naschenden Vögel sind wohl als Hinweis auf die Seligen im Paradies zu verstehen und damit einhergehend ihre Erlösung und ihr ewiger Frieden. Diese sinnbildliche Bedeutung wird durch die Inschrift „Herr du bist unsere Zuflucht für und für“, dem 1. Vers aus dem 90. Psalm der Bibel ergänzt, in dem es um die Vergänglichkeit des Menschenlebens geht.

Der uns bisher unbekannte Künstler des Epitaphs folgt in Form und plastischer Gestaltung des Flachreliefs den Stilformen der Romanik, um es auf diese Weise in den neoromanischen Baustil der Kapelle einzugliedern. Doch waren seine Stilanleihen umfassender, wie erst jüngst bei den Vorbereitungen zum Tag des offenen Denkmals durch die aufschlussreiche Entdeckung seines Vorbildes festgestellt werden konnte. Künstlerisches Vorbild war eines der reich geschmückten Fensterumrahmungen an der Apsis der lombardischen Klosterkirche Sant’ Abbondio in Como (Italien), die 1095 geweiht wurde. Der Bildhauer hat nur einige Details des Epitaphs vom Original abweichend gestaltet: Die Ranken sind weniger üppig und damit großzügiger gehalten, wodurch der Gestaltung der Vögel auch mehr Raum gegeben worden ist. Welcher Bildhauer des 19. Jahrhunderts die Idee zu dieser Umsetzung hatte, bleibt zu fragen und noch zu erforschen.

Text: Martina Samulat-Gede M. A., Öffentlichkeitsarbeit

Bildnachweis: Kapelle und Epitaph der Familie Erwin Ruperti an der Nordseite der Kapelle, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchhof, Fotos v. Martina Samulat-Gede, Aufnahmen 2011

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