ERWIN REIBEDANZ

* 03. Oktober 1878 ; † 08. März 1919

Zum diesjährigen 95. Todestag des Großindustriellen und Wäschereibesitzers

Auf dem Alten Luisenstädtischen Friedhof an der Kreuzberger Bergmannstraße befindet sich eines der außergewöhnlichsten Grabdenkmäler der Berliner Friedhofslandschaft – das Grab des Wäschereibesitzers Erwin Reibedanz.

Der Architekt Max Taut (1884-1967) gestaltete hier eine schlanke Grabstele aus Muschelkalk in Form eines schräg aufsteigenden Kometen. Die Vorderseite des freistehenden, allansichtigen Grabmals zeigt ein durch die dynamische Aufwärtsbewegung des Kometen zur Seite kippendes Kreuz. Taut stellt den Schweifstern mit einem vielzackigen kristallinen Kopf und einem flach an allen vier Seiten des Obelisken laufenden Schweif dar. Von der ursprünglichen expressiven Farbigkeit der Grabstele ist heute nichts mehr zu erkennen. Kreuz und Sockel sollen in einem dunklen Blaugrau und der Stelenkorpus in einem intensiven Blau gefasst gewesen sein. Der Stern und die Schweifzacken waren vergoldet. Dieser Farbigkeit setzte man einen rot blühenden Rosenstock entgegen. Unmittelbar nach Errichtung des Grabmals führten heftige Proteste zur Entfernung der polychromen Farbfassung.

ReibedanzReibedanzDass Max Taut den Auftrag zur Gestaltung des Grabobelisken erhielt, lag nahe. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Bruno Taut (1880-1938) und mit Franz Hoffmann (1884-1951) wirkte er in der Architektengemeinschaft „Taut & Hoffmann“. Die Schwester von Franz Hoffmann war mit dem Sohn von Erwin Reibedanz verheiratet. Das Team „Taut & Hoffmann“ baute bereits 1911/12 für den Großwäschereibesitzer Erwin Reibedanz die Reibedanzschen Dampfwaschwerke. Die heute denkmalgeschützte Dampfwäscherei in der Teilestraße zählt zu den frühen Beispielen expressionistischer Architektur in Berlin. Reibedanz’ Wäscherei gliederte sich in die Abteilungen für Haus- und Industriewäsche. Das Waschwerk beherbergte neben Mangel-, Plätt- und Trockenräumen auch Kessel- und Maschinenräume sowie einen Annahme- und Sortierraum, in welchem weiße und bunte Wäsche geschieden wurde. Zudem gehörte Erwin Reibedanz ein umfangreicher Fuhrpark. Pferdestall und Remise mit Fuhrwerken für den An- und Abtransport der Wäsche sind heute nicht mehr erhalten.

Quellen: Fischer, Christoph mit Volker Welter (Hrsg.): Frühlicht in Beton. Berlin 1989, S. 47. // Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte. Berliner Grabmale retten. Berlin 2010, S. 64. // Stecker, Cornelius: Museum Friedhof. Bedeutende Grabmäler in Berlin. Berlin 1984, S. 115.

Text und Fotos: Juliane Bluhm

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