ERNST THEODOR AMADEUS LITFASS

* 11. Februar 1816 in Berlin; † 27. Dezember 1874 in Wiesbaden

Zum diesjährigen 198. Geburtstag des Buchdruckers und Verlegers

Die Litfaßsäule – eine Anschlagesäule zum Annoncieren von Werbeplakaten und Nachrichten im öffentlichen Straßenbild. Die ersten Säulen dieser Art wurden vor knapp 160 Jahren in Berlin auf Initiative von Ernst Theodor Amadeus Litfaß errichtet. Noch heute prägen diese Werbeträger die Gesichter unserer Städte.

Als Spross einer Buchdruckerfamilie wurde Ernst Litfaß am 11. Februar 1816 in Berlin geboren. Der Vater verstarb nur wenige Tage nach der Geburt seines Sohnes. Die Mutter ehelichte bald erneut. Der zweite Mann an ihrer Seite war ebenfalls Buchdrucker und Buchhändler. Auf dessen Wohlwollen durchlief auch Erst Litfaß eine Buchhändlerlehre. Lieber wäre er Schauspieler geworden. Litfaß war keine 30 Jahre alt, als er nach dem Tod des Stiefvaters die familiäre Druckerei und das Verlagshaus übernahm. Anfangs verlegte er Bücher, später wurde er Herausgeber verschiedener Zeitungen. Zudem investierte er in die Druckerei – Schnellpressen ersetzten nun die hölzernen Druckstöcke, er führte den Farbdruck ein und ließ großformatige Plakate herstellen.

Von seinen Reisen nach Paris, London und Brüssel brachte Litfaß schließlich die Idee der Anschlagesäulen mit. Bis dahin wurden Bekanntmachungen für Theater-, Orchester- oder Zirkusvorstellungen wild an Häuserwände, Zäune und Mauern plakatiert. Eine beschränkte Plakatierung war ganz im Sinne des damaligen Polizeipräsidenten Freiherr von Hinckeldey (1805-1856), der Litfaß1854 die alleinige Konzession zur Errichtung der Säulen erteilte. Zudem erbat Litfaß den Druck amtlicher Bekanntmachungen, um diese ebenfalls an seinen Werbeträgern kundzutun. Die Konzession gestattete zunächst die Aufstellung von 150 „Annoncier-Säulen“. Die Finanzierung der ersten Säulen in Berlin übernahm der Zirkusdirektor Ernst Renz. Am 1. Juli 1855 wurden sie öffentlich präsentiert und feierlich eingeweiht. Schnell war Ernst Litfaß in aller Munde. Neben bejahender Annahme der neuen Straßenmöbel, waren diese auch herber Kritik ausgesetzt. In dem Reiseführer „Berlin und die Berliner“ von 1856 heißt es: „Diese Anschlagesäulen, einer der neuesten genialen Gedanken des nach Monumenten jagenden Berlins, sind es, die sagen, wie es jetzt um Berlin steht: Schwindel – nichts als Schwindel. Alles was irgendein Unrath loswerden will, preist sich und seine Sachen hier in der lächerlichsten, marktschreierischsten Weise an.“ Doch die Litfaßsäule verbreitete sich in ganz Deutschland und in den Folgejahren wurde eine Vielzahl weiterer Reklamesäulen aufgestellt. Dort wo einst die erste Annonciersäule stand – in der Berliner Münzstraße – erinnert seit 2006 eine Litfaßsäule in Bronze an ihren Namensgeber.

Grabmal Litfaß Namenstafel Litfaß

Am 27. Dezember 1874 starb Ernst Litfaß während einer Kur in Wiesbaden im Alter von 58 Jahren. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte. Das mächtige Eisengitter, das die Ruhestätte einfriedet, wurde 2001 nach historischem Vorbild rekonstruiert. Es war Ende der 1960er Jahre zur Restaurierung abmontiert worden und blieb seitdem verschollen. Lediglich eine auf dem Gitter befindliche schwarze Marmortafel trägt in goldener Kursivschrift den Namenszug „E. Litfaß“. 120.000 DM stiftete die Berliner Wall AG zur Restaurierung der Grabanlage, um das Andenken an den Erfinder der Außenreklame zu bewahren.

Quellen: Curter, Maria: Das erfinderische Berlin. Berlin 2011, S. 46-48. // Etzold, Alfred: Der Dorotheenstädtische Friedhof. Die Begräbnisstätten an der Berliner Chausseestraße. Berlin 1993, S. 127-28. // Mende, Hans-Jürgen: Dorotheenstädtischer Kirchhof u. Französischer Friedhof I an der Chausseestraße. Ein Friedhofsführer. Berlin 2008, S. 35-36. // Presse- u. Informationsamt des Landes Berlin (Hrsg.): Berlin Handbuch. Lexikon der Bundeshauptstadt. Berlin 1992, S. 776-77.

Text und Fotos: Juliane Bluhm

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