ERNST LUDWIG HEIM

* 22. Juli 1747 in Solz, Thüringen; † 15. September 1834 in Berlin

Zum diesjährigen 179. Todestag des Berliner Arztes am 15. September

„Gesund allein macht Doktor Heim!“ So urteilten die Studenten aus Halle über ihren Kommilitonen noch bevor dieser sein Medizinstudium abgeschlossen hatte. Nachdem Ernst Ludwig Heim in Meinigen das Lyceum besuchte, ging er 1766 zusammen mit einem Freund nach Halle, wo er Medizin, Botanik, Astronomie, Naturrecht und Philosophie studierte. Bereits nach drei Jahren hatte der Pastorensohn und angehende Arzt eigene Patienten und viele Bürger der Stadt Halle suchten seinen medizinischen Rat. 1772, Heim war 25 Jahre alt, promovierte er zum Doktor der Medizin. Auf einer längeren Studienreise, die ihn nach den Niederlanden, Frankreich und England führte, lernte er die wichtigsten Universitäten und Krankenhäuser sowie die bedeutendsten Mediziner jener Länder kennen.

Mit Wissen und Erfahrung ließ sich Heim im April 1776 als Stadtphysikus in Spandau nieder. Zu dieser Zeit war er der einzige praktizierende Arzt in Spandau und Umgebung. Schnell erwarb sich der erst 29-Jährige das Vertrauen der Mitbürger und von seinen erfolgreichen Heilmethoden sprach man bald auch in Berlin. Prinz Ferdinand von Preußen, der jüngere Bruder des Königs Friedrich II., ernannte Dr. Heim 1778 zum Hofrat. Zwei Jahre später heiratete er die Spandauer Kaufmannstochter Charlotte Maeker.
Im April 1783 zog das Ehepaar mit der ersten Tochter nach Berlin, wo die Familie eine Wohnung am Gendarmenmarkt mietete. Der nunmehr etablierte Arzt eröffnete eine Praxis in der Markgrafenstraße. Seine so genannten „Frühstückssprechstunden“ wurden schnell berühmt. Arme Leute durften ab sechs Uhr morgens zu ihm kommen und wurden unentgeltlich behandelt. Die Zahl an Patienten, die der Arzt jährlich behandelte stieg 1790 auf über tausend an, bei Einnahmen von 8.000 Thalern – wobei die kostenlos behandelten Armen nicht verzeichnet sind. Heim galt als der beliebteste und erfolgreichste Arzt in Berlin.
Die Einführung der Pockenschutzimpfung in Berlin ist weiterer Verdienst Heims. 1799 vollzog er erste Impfungen mit der von dem britischen Arzt Edward Jenner (1749-1823) entwickelten Kuhpockenimpfung. Im selben Jahr verlieh ihm der König den Titel des Geheimen Rates. Als Königin Luise 1810 verstarb, war Heim ihr letzter behandelnder Arzt. Stundenlang wachte er an ihrem Bett, konnte ihren Tod jedoch am Ende nicht verhindern.
1822 feierte der Doktor aus Berlin sein 50. Dienstjubiläum. Die Stadt Berlin verlieh ihrem verdienten Einwohner die Ehrenwürde. Das Jahr 1824 schloss Heim nach seinen Aufzeichnungen mit 2.642 behandelten Kranken ab. Vier Jahre später, Heim war bereits 81 Jahre alt, besuchte er immer noch 604 Patienten und behandelte mehr als 2.000 Kranke kostenlos.

Am 15. September 1834 verstarb Ernst Ludwig Heim zu Hause in seinem Bett. Als der beliebte Volksarzt am 18. September beigesetzt wurde, gaben ihm Tausende Berliner das letzte Geleit und bildeten vom Trauerhaus in der Kronenstraße bis zum Friedhof am Halleschen Tor ein dichtes Spalier.
Seine Grabstätte auf dem Friedhof der Jerusalem- und Neue Kirche II ist ein Wandgrab aus roten Ziegelsteinen. In der Mitte der Wand ist eine helle Marmorplatte eingelassen, auf der in goldenen Lettern vermerkt ist: „ES SEY KEIN TRAUERORT FÜR DIE FAMILIE HEIM“. Das zweigeteilte Grabzeichen aus bräunlichem Granit mit Sockel und Eckakroteren trägt in heller Inschrift die Namen und Lebensdaten von Heim und seiner Frau. Ein schmiedeeisernes Gitter umfasst die Grabanlage. Heim soll die Stätte bereits zu Lebzeiten errichten lassen haben und diese bei Spaziergängen mit der Familie oft besucht haben.

Quellen: Genschorek, Wolfgang: Ernst Ludwig Heim. Das Leben eines Berliner Volksarztes, Leipzig 1987. // Keienburg, Ernst: Doktir Heim. Lebensroman eins Volksarztes, Berlin 1985. // Paffen, Debora und Hans-Jürgen Mende: Die Friedhöfe vor dem Halleschen Tor. Ein Friedhofsführer – Teil II. Berlin 2003, S. 65-66. // Schulze, Manfred-Paul: Dr. Ernst Ludwig Heim, Berlin 1997.

Text und Fotos: Juliane Bluhm

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