Ellen Ammann

Für die kommenden Gedenktage wird die Stiftung Grabanlagen aus München vorstellen. Begonnen wird mit dem Alten Südfriedhof.

Wir erinnern an die Frauenrechtlerin Ellen Ammann.

* 1.7.1870
† 22.11.1932

Dies ist die Grabstätte einer der bedeutendsten Frauenrechtlerinnen ihrer Zeit. Ellen Ammann wuchs in Stockholm im Hause politisch interessierter Eltern auf. Obwohl protestantisch getauft, wurde Ellen von ihrer Mutter, die 1881 heimlich zum katholischen Glauben konvertierte, im Geist der katholischen Kirche erzogen. Ellen heiratete 1890 den deutschen Arzt Ottmar Ammann und folgte ihm nach München. Dort arbeitete sie mit ihm in dessen orthopädischer Heilanstalt. Schon bald begann sie, sich für soziale Fragen zu engagieren. So war sie 1897 die Mitbegründerin der ersten katholischen Bahnhofsmission in München, die sie mehr als zwei Jahrzehnte leitete. Darüber hinaus war sie entscheidend an der Gründung des Münchner Zweigvereins des Katholischen Frauenbundes beteiligt, dessen Vorsitz sie am 6. Dezember 1904 übernahm. Da Ammann sehr bald erkannte, dass Bildungsinstitutionen notwendig waren, die „für die sozial-karitative Tätigkeit der besoldeten oder ehrenamtlichen Sozialbeamtinnen und Hilfskräfte“ eine solide Grundlage bilden konnten, begann sie im Herbst 1909 mit dem Auf- und Ausbau einer Frauenschule – eine der ersten programmatischen Ausbildungsstätten für soziale Arbeit in Deutschland.

Nach Einführung des Frauenwahlrechts 1918 wurde Ellen Ammann als eine der ersten Frauen 1919 für die Bayerische Volkspartei in den Bayerischen Landtag gewählt, dem sie bis 1932 angehörte. Sie vertrat dort die Tätigkeitsbereiche Jugendfürsorge, Gesundheitswesen, öffentliche Fürsorge und Wohlfahrtspflege. In diesen Jahren der parlamentarischen Arbeit war sie auch wesentlich an der Niederschlagung des Hitlerputsches vom 9. November 1923 beteiligt. Nachdem sie vom geplanten Marsch auf die Feldherrnhalle erfahren hatte, sorgte sie dafür, dass sich gefährdete Personen in Sicherheit bringen konnten und dass Einheiten der Reichswehr nach München verlegt wurden. In einer von ihr mitinitiierten Resolution an das bayerische Volk wurde der Putsch zudem als Staatsverbrechen verurteilt. Ihr politisches und soziales Engagement endete abrupt, als sie 1932 an einem Schlaganfall starb.

All diese von einer Frau ausgehenden und für die damalige Zeit wegweisenden Aktivitäten finden nur geringen Niederschlag in der Grabinschrift. Das schlichte Familiengrabmal, ein Inschriftensockel aus Kalkstein mit hohem metallenen Aufsatzkreuz, verweist in erster Linie auf Ellen Ammanns Rolle als Gattin und Mutter und führt lediglich den knappen Zusatz: „M.d.L., Vorsitzende des K.F.B.“

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