Christian Hinrich Frischen

Pädagoge
* 13.7.1866
† 23.3.1935

Christian Frischen, Sohn des Zigarrenfabrikanten Nicolaus Christian Frischen, wuchs in der Neustadt Bremens, dem Zigarrenarbeiterviertel auf. Seiner auffallend guten Handschrift wegen, wurde er in der Kanzlei der Bürgerschaft beschäftigt und gab privaten Schreibunterricht, der viel besucht wurde. Sein diesbezüglicher Erfolg veranlasste ihn, sich ganz dem Schreibfach als selbständiger Lehrer zu widmen. Im Jahr 1900 baute er seine begehrten Kurse zu einem Sprach- und Handelslehrinstitut aus. Als privater Schulunternehmer war er zu dieser Zeit in Bremen eine stadtbekannte Persönlichkeit. Einer seiner Schüler war der spätere Reichspräsident Friedrich Ebert. Nachdem sich nach dem Ersten Weltkrieg das staatliche Berufs- und Fachschulwesen ausweitete, ging die Nachfrage nach seinen Kursen zurück. 1923 musste Frischen sein Institut schließen.

Das um die Jahrhundertwende entstandene Grabmal ist noch ganz dem Historismus verhaftet und ein ungewöhnlicher Blickfang. Der künstlich geschaffene Felsen besteht aus Obernkirchener Sandstein, der auch Bremer Stein genannt wird. Aufgrund seiner ausgezeichneten Frost- und Witterungsbeständigkeit wurde er schon im 17. Jahrhundert in Bremen verbaut, u.a. zur Verkleidung des Bremer Rathauses. Seitlich auf einem Vorsprung des Felsens sitzt eine weibliche Gestalt in antikisierendem Gewand, die Hände auf dem Schoß verschränkt, die Augen wie träumend geschlossen. Diese personifizierte Allegorie der Trauer bezieht sich unmittelbar auf den Tod von Christian Frischens Frau Auguste. Auf der geschwungenen Tafel links von der Figur wird seine Sehnsucht formuliert, sie dereinst wieder zu sehen: „Das schönste Glück unseres Lebens ging mit dir fort; Wir finden uns in Gott ergeben, Einst wieder an diesem Ort.“ Links und rechts des künstlichen Felsens stehen kleine steinerne, mit Schale verzierte Pfeiler, von denen aus eine Metallkette um das Grab geführt wird.

Galvanoplastische Figuren, wie hier die einer trauernden Frau oder Engel und Christusfiguren, prägten das Bild der Friedhöfe um 1900. Seit 1837 existierte das kostengünstige Verfahren für Abgüsse von Skulpturen in größerer Auflage. Eine dünne Bronzeschicht wurde dabei mit Gips aufgefüllt. Die oft von Künstlern entworfenen Figuren konnten über Warenkataloge von galvanoplastischen Kunstanstalten, wie z.B. von WMF, der Württembergischen Metallwarenfabrik, bezogen werden. Sie wurden oft pro Friedhof nur einmal aufgestellt, um den Unikatscharakter zu erhalten. Dennoch galten sie zur damaligen Zeit als minderwertiger Friedhofsschmuck. Heute sind die Denkmale der historistischen Friedhofskultur durch Erosionsschäden stark gefährdet.

 

Im ersten Quartal diesen Jahres sind drei Persönlichkeiten aus Bremen benannt worden. Im nächsten Quartal wird die Stiftung verstorbener Persönlichkeiten aus Hamburg gedenken.

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