Carl Heinrich Carsten Reinecke

Komponist, Gewandhauskapellmeister
* 23.6.1824 in Altona
† 10.3.1910 in Leipzig

Carl Reinecke wurde 1824 in Altona geboren. Sein ganzes Leben war der Musik gewidmet. Seit dem 5. Lebensjahr erhielt er von seinem Vater Unterricht im Klavier- und Violinespiel und in Musiktheorie, mit 11 erteilte er selbst Musikunterricht und als 19-Jähriger gab er ein Konzert mit eigenen Tonschöpfungen. Die Musikstadt Leipzig zog ihn an. Mit ihren Gewandhaus-Konzerten erschien sie ihm als „Eldorado“, schrieb er in seiner Autobiographie. 1843 durfte der junge Reinecke erstmals im Gewandhaus als Solist auftreten. In Leipzig wirkten zu dieser Zeit Robert und Clara Schumann sowie Felix Mendelssohn Bartholdy als Gewandhauskapellmeister. Gerade war das „Conservatorium der Musik“, die erste Musikhochschule Deutschlands, gegründet worden, und es gab reichlich musikinteressierte Kreise. Dem Leipzig-Aufenthalt folgten Reineckes künstlerische Wanderjahre. Er sammelte Erfahrungen als königlicher Hofpianist in Kopenhagen, als Musikpädagoge in Köln, als Kapellmeister in Barmen und Breslau. Längst war er kein Unbekannter mehr in der europäischen Musikwelt. 1860 wurde er als 9. Kapellmeister an das traditionsreiche Gewandhaus berufen. 35 Jahre übte er dieses angesehene Amt aus, länger als jeder andere vor und nach ihm. Unwahrscheinlich erscheint das Arbeitspensum, das er in dieser Zeit absolvierte. Er war Dirigent des viel beschäftigten Orchesters, gründete und leitete den Gewandhaus-Chor und war zugleich Lehrer am Konservatorium. Dennoch komponierte er unermüdlich: überliefert sind 361 Instrumental- und Vokalwerke. Auch als Pianist trat Reinecke weiterhin in Erscheinung, er galt als einer der besten Mozart-Interpreten seiner Zeit. In der Musik der Wiener Klassik fand er seine Wurzeln. Seine vornehmste Aufgabe als Gewandhaus-Dirigent sah er darin, „dass jede heranwachsende Generation mit den Meisterwerken unserer großen Klassiker nicht allein bekannt, sondern auch vertraut“ würde. Zugleich förderte er engagiert das Werk von Robert Schumann und etlichen damals neu in Erscheinung tretenden Komponisten wie Brahms, Bruch, Rachmaninow und Rubinstein. Liszt und Wagner favorisierte er dagegen nicht, was ihm viel Kritik einbrachte. Der erzwungene Abschied als Gewandhauskapellmeister war für ihn bitter. Seinen letzten Auftritt im Gewandhaus hatte der 82-jährige Reinecke 1906 zum 150. Geburtstag Mozarts. 1910 verstarb er. Virtuoseneffekte waren dem bescheidenen Reinecke fremd. Sein Grabmal aus Muschelkalkstein ist schlicht, gediegen und sparsam mit Ornamenten versehen und seiner Persönlichkeit sehr angemessen.

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