Johann Heinrich Schulze

Professor der Altertumswissenschaften und Medizin
* 12.5.1687
† 10.10.1744

Für das letzte Quartal werden Persönlichkeiten präsentiert, die auf Friedhöfen in den neuen Bundesländern begraben sind.
Als erster Friedhof wird der Stadtgottesacker in Halle benannt.

Johann Heinrich Schulze erhielt von 1697-1704 seine Schulausbildung in der Waisenanstalt des August Hermann Francke (s. Nr. 02). 1704 begann Schulze an der Universität Halle Medizin, Chemie, Philosophie und Theologie zu studieren. 1708 übernahm er einige Jahre eine Lehrerstelle an Franckes Pädagogium. Durch seine Bekanntschaft mit dem Medizinprofessor Friedrich Hoffmann entschloss sich Schulze 1715, erneut das Medizinstudium aufzunehmen. Er fand im Haus Friedrich Hoffmanns Aufnahme als Famulus, als seinem Lehrer assistierender Student. Bei chemischen Versuchen entdeckte Schulze 1717 die Lichtempfindlichkeit der Silbersalze, fertigte einfache Lichtbilder an und publizierte 1719 seine Ergebnisse.

1717 erwarb Schulze in Halle den Doktorgrad und hielt anschließend Vorlesungen. 1720 erreichte ihn ein Ruf auf den Lehrstuhl für Anatomie und Chirurgie an der Universität Altdorf bei Nürnberg. 1728 erschien sein bedeutendstes, aber unvollendetes Werk zur Medizingeschichte „Historia medicinae“. Wie sein Lehrer Friedrich Hoffmann vertrat auch Schulze die Lehren der Iatrochemie, der von Paracelsus begründeten (chemischen) Heilkunst, und Iatromechanik. Wegweisend wurden seine Arbeiten über die Gefährlichkeit von Metallgefäßen für Arzneien und Speisen. Als in vielen Fächern bewanderter Gelehrter (Polyhistor) übernahm er 1729 bzw. 1730 auch noch die Ordinariate für Griechisch und Arabisch und entzifferte 1728 erstmals die kufische Schrift auf dem Krönungsmantel der römisch-deutschen Kaiser. 1732 kehrte er nach Halle zurück und besetzte die Lehrstühle für Eloquenz, Altertümer und Medizin. Mit großem Eifer widmete er sich den Altertumswissenschaften und plante die Gründung eines philologischen Seminars, dessen Finanzierung jedoch scheiterte. Um seine Vorlesungen anschaulicher zu machen, verwendete er antike Münzen und hielt schließlich eine Vorlesungsreihe zur antiken Numismatik, so dass er als derjenige gilt, der die Numismatik als akademische Disziplin eingeführt hat. Sein Münzkabinett ist im Archäologischen Institut der Universität Halle erhalten. Johann Heinrich Schulze galt als einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit, seine größte Bedeutung erlangte er jedoch als „der erste wahre Geschichtsschreiber der Medizin“.

Der Bogen 85, durch ein gusseisernes Gitter verschlossen, ist die letzte Ruhestätte von Johann Heinrich Schulze.

Im Gruftbogen 85 wurden seit 1916 Urnenbestattungen, in sogenannten Kolumbarien, durchgeführt. Es sind Nischen- und Kammerplätze für 48 Urnen vorhanden. Die Ausmalungen aus dieser Zeit sind erhalten geblieben.

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